Der BW-Empfangsclient: Digitale Anträge einfach empfangen

Mit dem BW-Empfangsclient (BW-EC) wird den Behörden in Baden-Württemberg eine zentrale Basiskomponente zur Verfügung gestellt, die den Empfang digitaler Anträge deutlich vereinfacht. Der BW-EC funktioniert wie ein „digitaler Postkorb“: Er nimmt digitale Anträge und Formulare sicher und standardisiert entgegen – auch dann, wenn für die jeweilige Verwaltungsleistung noch kein eigenes Fachverfahren vorhanden ist.

Die Integration des BW-EC in bestehende Verwaltungsleistungen ist dabei einfach. Eingehende Anträge werden sicher an die Behörde übermittelt und können dort direkt bearbeitet oder – wie beispielsweise in der Landesverwaltung – an Systeme wie die E-Akte BW übergeben werden. Dadurch werden Medienbrüche reduziert und Verwaltungsprozesse effizienter gestaltet. Der BW-EC schließt damit eine wichtige Lücke bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und steht Landes- und Kommunalbehörden in Baden-Württemberg kostenlos zur Verfügung. Er unterstützt insbesondere auch kleinere Behörden und Kommunen, bei denen für einzelne Verwaltungsleistungen häufig kein eigenes Fachverfahren vorhanden ist.


Digitale Anträge sicher empfangen und weiterverarbeiten
Neben der einfachen Integration stehen auch die Themen Sicherheit und Verfügbarkeit beim BW-EC im Mittelpunkt. Behörden, die ihn nutzen möchten, verifizieren sich bspw. über ein ELSTER-Organisationszertifikat. Der Zugriff auf den BW-EC ist aktuell auf das Landesverwaltungsnetz (LVN) und das Kommunale Verwaltungsnetz (KVN) in Baden-Württemberg beschränkt. Gleichzeitig prüft die BITBW derzeit, inwieweit der BW-EC perspektivisch auch über Baden-Württemberg hinaus eingesetzt werden und andere Bundesländer bei der sicheren Entgegennahme und Weiterverarbeitung digitaler Anträge unterstützen kann. Damit könnte aus der in Baden-Württemberg etablierten Lösung künftig ein Baustein entstehen, der auch die länderübergreifende Nachnutzung und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung unterstützt.
Die sichere Übertragung der Antragsdaten erfolgt über FIT-Connect, eine bundesweit einheitliche technische Infrastruktur, die den sicheren Austausch von Antragsdaten zwischen Online-Diensten und Verwaltungsbehörden ermöglicht. Sollte ein angebundenes Fachverfahren vorübergehend nicht erreichbar sein, bleiben eingegangene Anträge über den BW-EC abrufbar, womit der BW-EC als Fallback-Lösung dient und sicherstellt, dass Anträge nicht verloren gehen.


Der Marktplatz für Onlinedienste: Einfachere Digitalisierung durch Nachnutzung
Eine der nächsten Ausbaustufen des BW-EC wird die Anbindung an den OD-Marktplatz („Online-Dienste-Marktplatz“) sein. Über die Plattform können Behörden durch das Land zentral bereitgestellte Online-Dienste nachnutzen, anstatt eigene Lösungen zu entwickeln. Für Landesonlinedienste, die über den OD-Marktplatz aktiviert werden, stellt der BW-EC alle erforderlichen technischen Informationen bereit.  Ziel ist eine vollautomatisierte Ende-zu-Ende-Anbindung von Onlinediensten – das ist bundesweit einzigartig und vereinfacht diese Anbindung für Behörden extrem. Der BW-EC leistet somit auch hier einen wichtigen Beitrag, Onlinedienste bereitzustellen und die Verwaltungsdigitalisierung zu beschleunigen.
 

Der nächste Entwicklungsschritt: Direkte Kommunikation mit Antragstellenden
Künftig soll der BW-EC auch einen bidirektionalen Nachrichtenaustausch zwischen Behörden und Antragstellenden ermöglichen. Bescheide müssen nicht mehr per Post verschickt werden, sondern werden direkt in das Postfach der Antragstellenden zugestellt. Rückfragen können damit direkt und digital geklärt werden, wodurch sich die Antragsbearbeitung deutlich beschleunigen lässt. Medienbrüche und lange Wartezeiten sollen damit weitestgehend der Vergangenheit angehören – die Kommunikation zwischen Behörde und Antragstellenden erfolgt vollständig digital.
Geplant ist, die bidirektionale Kommunikation auf Basis von „BundID“ und „Mein Unternehmenskonto“ noch in diesem Jahr fertigzustellen.


NEO: Technische Machbarkeit von Matrix-Kommunikation erfolgreich nachgewiesen
Unabhängig von diesem aktuellen Vorhaben wurde in diesem Jahr im Rahmen des Projekts NEO die Machbarkeit einer bidirektionalen Kommunikation auf Basis des offenen Kommunikationsstandards Matrix erfolgreich nachgewiesen. Das Projekt wurde gemeinsam mit der FITKO durchgeführt, die als zentrale Akteurin auf Bundesebene die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung unterstützt. Der BW-EC war dabei gemeinsam mit einem weiteren Fachverfahren aus Hessen fachlicher und technischer Partner des Projekts und leistete einen wesentlichen Beitrag zum Nachweis der technischen Machbarkeit.
Für den BW-EC ist die Beteiligung an NEO von besonderer Bedeutung: Als IT-Komponente (digitaler Endpunkt, OD-Marktplatz, zukünftiger Rückkanal) für Behörden aus Baden-Württemberg bringt er seine fachliche und technische Expertise in ein Projekt mit bundesweiter Bedeutung ein. Gemeinsam mit der FITKO wirkt der BW-EC damit an der Erprobung und Weiterentwicklung moderner, interoperabler Kommunikationslösungen für die öffentliche Verwaltung mit. Dies unterstreicht die Rolle des BW-EC als technisch und fachlich leistungsfähige IT-Komponente, die ihre Expertise auch über die Landesgrenzen hinaus in bundesweite Digitalisierungsprojekte einbringt.


Anerkennung des Projekts
Der BW-Empfangsclient wurde für den Publikumspreis des eGovernment-Wettbewerbs 2026 nominiert. Bis zum 20. August konnten Bürgerinnen und Bürger für die nominierten Projekte abstimmen – Anfang September wird das Gewinner-Projekt in Berlin im Rahmen des Ministerialkongresses ausgezeichnet.
 

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